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17.03.2016

„Flüchtlinge sind die Arbeitskräfte von morgen“

Die Flüchtlinge könnten eine große Chance für die Wirtschaft im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis sein. Läuft es gut, verjüngen sie die Region und bieten neue Arbeitskraft für Unternehmen sowie Impulse für die Gesellschaft. Andererseits gibt es allerdings auch Risiken, zum Beispiel bei der Integration oder finanziellen Überforderung der Kommunen.. Das war die zentrale Botschaft einer Podiumsdiskussion des Märkischen Unternehmerforums. Auf Einladung des Märkischen Arbeitgeberverbandes standen Heiner Dürwald (Leiter Jobcenter Ennepe-Ruhr-Kreis), Claus Jacobi (Bürgermeister der Stadt Gevelsberg), Karin Käppel (Vorsitzende der Geschäftsführung Agentur für Arbeit Iserlohn), Johannes Pöttering (unternehmer nrw, Düsseldorf) und Ralf Stoffels (Geschäftsführer BIW Isolierstoffe GmbH, Ennepetal) den heimischen Unternehmensvertretern Rede und Antwort. WDR-Moderator Gregor Schnittker führte durch die Diskussion.

Aus Sicht der Arbeitsagenturen begriff Karin Käppel die Flüchtlinge als Chance für die heimische Wirtschaft. Wörtlich sagte sie: „Es ist aber auch eine große Herausforderung. Wir brauchen viel Geduld, um die Menschen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. Außerdem müssen wir ihnen unsere Sprache und Werte vermitteln, dann sind die Chancen für gelungene Integration sehr gut.“ Für die Arbeitgeberverbände bewertete Johannes Pöttering die Problematik ähnlich: „Ich sehe die Flüchtlingsströme auch als Chance, aber die Integration muss gelingen, sonst wird aus einer Chance eine Krise.“ Und der Leiter des Jobcenters EN Heiner Dürwald ergänzte: „Die Flüchtlingssituation als Chance zu begreifen überwiegt für mich. Damit die Integration gelingt, benötigen wir Förderprogramme und spezielle Bildungsangebote. Dazu müssen die Arbeitsagenturen und Jobcenter mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden.“

Zurzeit sind rund 5000 Flüchtlinge im Ennepe-Ruhr-Kreis. Der Unternehmer Ralf Stoffels beleuchtete diese Situation aus der Perspektive eines Betriebes: „Die Flüchtlinge sind für uns eine klare Chance. Unsere Region ist von Mittelständlern und Familienbetrieben geprägt. Flüchtlinge sind die Arbeitskräfte von morgen.“ Stoffels berichtete von einer hohen Empathie in der Unternehmerschaft. Man wolle den Menschen aus den Kriegsgebieten eine Chance geben. „Ich glaube auch, dass wir hier eine große Chance haben“, ergänzte Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, „Aber wir müssen den Krisenmodus überwinden. In Gevelsberg haben wir ein großes Netzwerk und jede Flüchtlingsfamilie kann einen Paten bekommen, der bei der Integration hilft.“ Viele ansässige Unternehmen hätten Sprach- und Integrationskurse finanziell unterstützt. Doch käme die Stadtverwaltung an ihre Grenzen.

Für Karin Käppel hat die Bundesregierung jedoch schon gut reagiert, indem sie den Flüchtlingen nun nach 15 Monaten Aufenthalt die Möglichkeit zum Arbeiten einräumt. Vorher waren es 48 Monate. „Den Status bestimmt die Ausländerbehörde, wobei das Verfahren gegenwärtig noch zu lange dauert“, so Käppel.

Fazit: Die Diskussion zeigte, dass es der gemeinsamen Anstrengung von Wirtschaft, Verwaltung, Behörden und Bildungsträgern bedarf, damit die Flüchtlinge eine Chance auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt bekommen. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen für eine Integration weiter verbessert werden.