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Gemeinschaftsschule: Chef-Planer bei SchuleWirtschaft

Iserlohn, November 2010. Landesweit wird engagiert über dieses Projekt diskutiert: Mit der Gemeinschaftsschule will die rot-grüne Landesregierung den Schulträgern vor allem im ländlichen Raum ein Angebot machen, ein wohnortnahes umfassendes Schulangebot mit gymnasialen Standards vor Ort zu erhalten. Doch wie funktioniert die Gemeinschaftsschule? Diese Frage zu beantworten, hatten die MAV-Arbeitskreise SchuleWirtschaft Rainer Michaelis eingeladen, Michaelis ist Referent des NRW-Schulministeriums. Als Leiter der Projektgruppe Gemeinschaftsschule entwickelte er das Konzept für die Gemeinschaftsschule Ascheberg, die im November als erste genehmigt wurde. Das Interesse an der Veranstaltung mit dem „Chef-Planer“ des Modellversuchs war daher groß. Über 80 Lehrkräfte und Ausbilder der Mitgliedsunternehmen hatten den Weg nach Iserlohn gefunden.


Eltern bevorzugen die Schule am Ort. In den Großstädten freuen sich die Gymnasien über
überdurchschnittliche Übergangsquoten, ist eine Hauptschule das einzige Angebot am Ort,
wird auch sie von überdurchschnittlich vielen Eltern gewählt. Also entscheidet nicht die
Begabung der Kinder beim Übergang in die Klasse 5, sondern das Angebot steuert die
Nachfrage. Wobei die Eltern sich zunehmend „nach oben“ orientieren: Das Gymnasium ist
bereits heute die am stärksten nachgefragte Schulform in Deutschland.
 

Auf dem Lande zeigt die demografische Entwicklung bereits ihre Wirkung in der
Schullandschaft. Vor allem Flächengemeinden werden bei einem Festhalten der
Dreigliedrigkeit ihren Schulstandort verlieren, prognostizierte Rainer Michaelis: „Für den
ländlichen Bereich ist das eine Katastrophe. Darauf muss man reagieren.“
Michaelis machte deutlich, wie sehr die Bildungsangebote als „harter“ Standortfaktor wirken.
Qualität und Vollständigkeit der örtlichen Angebote stiften Identität, das örtliche
Schulangebot bildet eine Grundlage für die Ausbildung des Berufs-Nachwuchses, es wirkt
auch auf Neuansiedlung und Expansion von Unternehmen. Und auch das kennt man in
Südwestfalen: eine hohe Auspendlerquote von Schülern bindet Ressourcen – wie
Zeitaufwand, Fahrtkosten – und führt zu Kaufkraftverlusten.
Nach ihrem Konzept kann die Gemeinschaftsschule hier gegen wirken. Bestehende Schulen
können unter ihrem Dach zusammengeführt werden. Sie ermöglicht eine längere
gemeinsame Schulzeit, indem die Schüler in Klasse 5 und 6 in einer Orientierungsstufe
zusammenbleiben. Danach entscheidet die Schule, ob sie das Modell bis Klasse 10 fortsetzt
oder die Schüler auf die Bereiche Haupt-, Realschule bzw. gymnasiales Lernen verteilt. Hier
liegen auch die Unterschiede zur Gesamtschule: Eine Gesamtschule hat keine integrierte
Orientierungsstufe und die Gemeinschaftsschule kann die gymnasiale Oberstufe in
Kooperation mit Gymnasien anbieten.
Rainer Michaelis zeigte auf, wie ein Stundenplan in der Gemeinschaftsschule aussehen
könnte und welche berufsvorbereitenden in den einzelnen Jahrgängen vorgesehen sind.
Detailliert berichtete er auch über das Genehmigungsverfahren, das auf der Entscheidung
vor Ort basiert, Eltern und Lehrer sind eingebunden und können nicht von
Kommunalpolitikern überstimmt werden.
Der Zeitplan für den Schulversuch ist eng. Bis zum 31. Dezember 2010 müssen die Anträge
gestellt und ein schlüssiges Konzept vorgestellt werden. Die Zahl der teilnehmenden
Schulen ist auf 50 begrenzt – 100 Bewerber soll es inzwischen geben.
Das Projekt ist umstritten: Die Gegner melden verfassungsrechtliche Bedenken an, mit der
Verbesserung der Chancengleichheit verteidigt die rot-grüne Landesregierung den Versuch.
Doch das Interesse der Gemeinden macht deutlich, dass ein pragmatisches Konzept ganz
unideologisch Bildungswege frei machen kann.