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Jahresabschluss Schule Wirtschaft

Dr. M. Winterhoff: Aus dem Alltag eines Kinderpsychiaters

Iserlohn, 14. Dezember 2011. Wie schlecht geht es unseren Kindern? Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff beantwortet diese Frage mit eindringlichen Worten. „Wir verlieren unsere Kinder“. Der Prozentsatz der Schüler, die am Ende der Schulzeit nicht ausbildungsfähig sind, steigt dramatisch. Wie vor allem Lehrer gegensteuern können, das war Thema der Jahresabschlussveranstaltung des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, zu der der Märkische Arbeitgeberverband Lehrer und Ausbilder eingeladen hatte. Vor rund 80 Lehrern und Ausbildern berichtete Dr. Winterhoff über die von ihm beobachteten Fehlentwicklungen und diskutierte mit ihnen die Möglichkeiten des Veränderns.

Mit den Tyrannen-Büchern hat der Bonner Kinderarzt die Bestseller-Listen erobert und zum Teil vehemente Kritik erfahren. Dabei wollte er nie ein Buch schreiben – und schon gar nicht Erziehungs-Ratgeber. Doch die Veränderungen, die er in den letzten zwei Jahrzehnten in seiner Praxis beobachtet hat, haben ihn veranlasst, „die Probleme nach außen zu tragen“ und nach Verbündeten zu suchen, notfalls über den Umweg provokanter Büchertitel und –inhalte.

Kinder, die wie Erwachsene behandelt werden, entwickeln sich zu unvermeidlich zu Tyrannen, die ihren eigenen Willen durchsetzen wollen. Unter dem Deckmantel eines partnerschaftlichen Verhaltens entstehen Beziehungsstörungen mit fatalen Konsequenzen für die Heranwachsenden. Ihre Psyche bleibt auf dem Stand eines Kleinkindes stehen.

Das, was Kinder wirklich brauchen: Erwachsene, die in sich ruhen, Regeln, die auch Gehorsam und Disziplin fordern, finden sich immer weniger. Die Kinder spüren die gravierenden Veränderungen, die aus Sicht Winterhoffs gerade in den letzten zwei Jahrzehnten den Alltag umgekrempelt haben. Hektik, Terminfülle, permanente Erreichbarkeit – Winterhoff: „Dank Handy ist heute jeder ein Notarzt !“ – lassen die Eltern „ständig unter Strom“ stehen. Erwachsene, die permanent im "Katastrophenmodus" sind, wie Winterhoff das nennt, übertragen diesen Stress auf ihre Kinder und können sich dann auch nicht mehr intuitiv richtig verhalten.

Wie Eltern das Hamsterrad ausbremsen können, das beschreibt Dr. Winterhoff in seinem neusten Buch. Doch auch den Lehrern kommt eine wichtige Rolle zu: Sie sollten sich nicht an diese Zustände gewöhnen, sondern stattdessen die fatale Situation gemeinschaftlich anprangern, ohne von der Bildungspolitik allzu viel Hilfe zu erwarten. Kleinere Klassen, Regeln für das Schulleben, mehr Distanz zwischen Lehrern und Schülern, vergessene Werte und Kompetenzen – „das Herkömmliche“ – wie es Winterhoff nennt, fordert der Psychiater von Bildungspolitik und Pädagogen. Denn auch in Sozialpädagogik, Schulpädagogik und Kindergarten hat sich die partnerschaftliche Ausrichtung des Miteinanders problematisch eingespielt.