Zum Hauptinhalt springen

Bei Durable arbeiten Mensch und Roboter im Team

- Verband

Stolz blickt Jan Wiggeshoff auf die Produktionsanlage mit der Spritzgießmaschine und die Roboterarme: „Es gibt doch nichts Schöneres für einen Ingenieur, als wenn man bei der Arbeit sehen kann, wie das selbst entwickelte und umgesetzte Projekt die Mitarbeiter im Unternehmen täglich bei ihrer Arbeit unterstützt und von ihnen angenommen wird“, schwärmte der 23-jährige Mendener. Er hat seine Bachelor-Thesis mit dem Titel „Konzept zur prozesssicheren und flexiblen Integration eines kollaborierenden Roboters“ beim Büroartikelhersteller DURABLE Hunke & Jochheim GmbH & Co. KG am Produktionsstandort in Kamen geschrieben.

Prof. Dr.-Ing. Klaus-Michael Mende von der Fachhochschule Südwestfalen mit dem Lehrgebiet Industrial Engineering begleitete die Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Märkischen Arbeitgeberverband unterstützt er immer wieder Kooperationen zwischen Unternehmen der Region und Studierenden, damit angehende Ingenieure ihre Abschlussarbeiten in den Unternehmen praxisbezogen erstellen können. „So begegnen wir dem Fachkräftemangel, und die Studierenden sammeln direkt wertvolle Praxiserfahrungen“, sagt Mende – eine Win-win-Situation für alle Seiten. Mit seinem Praxissemester startete Jan Wiggeshoff bei DURABLE und entwickelte anschließend in seiner Bachelor-Thesis ein Konzept, um Roboter flexibler und prozesssicherer im Produktionsalltag einzusetzen.

Das Besondere war, dass es sich um eine Mensch-Roboter-Kollaboration handelt. „Das bedeutet, dass sich Mensch und Roboter gleichzeitig einen Arbeitsraum ohne trennende Schutzeinrichtung teilen“, erklärte Jan Wiggeshoff. Gerade aus sicherheitstechnischer Sicht ist genau das eine besondere Herausforderung. Falls ein Mitarbeiter mit den Roboterarmen unzulässig in Kontakt kommt, der Produktionsprozess unerwartet unterbrochen ist oder Kartons falsch platziert sind, stoppt das gesamte System. Auf diese Weise arbeiten Mitarbeiter und Roboter jederzeit sicher in demselben Arbeitsraum.

Des Weiteren wurden Einsatzmöglichkeiten vorhandener kollaborativer Roboter verbessert. Die Roboter können jetzt flexibel an verschiedenen Produktionsanlagen eingesetzt werden, der Roboter packt z. B. gemeinsam mit dem Mitarbeiter, quasi im Duett, hergestellte Produkte direkt in Kartons. In einem solchen System sind Berührungen zwischen Menschen und Robotern unter bestimmten Voraussetzungen möglich und erwünsch“, erläutert Jan Wiggeshoff die Mensch-Roboter-Kollaboration.

Ziel der Arbeit war es auch, ein besseres Verständnis und höhere Akzeptanz bei den Mitarbeitern für die Zusammenarbeit mit Robotern zu erzielen. „Diese Zusammenarbeit soll Arbeitsplätze nicht wegrationalisieren, sondern erhalten und den Produktionsstandort langfristig sichern.“ Hier galt es, viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Damit die Mitarbeiter die Roboter einfach bedienen können, sind zur Unterstützung Selbstlerninseln eingerichtet. Hier können die Mitarbeiter Fehlermeldungen und entsprechende Lösungen nachschlagen. Durch die Optimierungen von Jan Wiggeshoff konnten störungsbedingte Ausfälle des Roboters von ca. zwei Stunden auf nur wenige Minuten reduziert werden. Die Auslastung des Roboters wurde zusätzlich um 27 Prozent gesteigert.

Vor seinem Studium absolvierte Jan Wiggeshoff sein Fachabitur und eine Ausbildung zum Mechatroniker am Berufskolleg in Iserlohn. Daran schloss sich das Studium der Mechatronik an. „Technik hat mich schon immer begeistert“, so der junge Mann. DURABLE nutzte die Chance und stellte ihn als Fertigungsleiter für den Bereich Montage ein.

Prof. Mende (v.l.), Korreferent Frank Bublies (Produktionsleiter bei Durable) und Jan Wiggeshoff vor der Produktionsanlage.

Jan Wiggeshoff findet den Praxisbezug seiner Anschlussarbeit besonderes wichtig.