Zunehmende Variantenvielfalt
Die Rahmenbedingungen auf dem Markt sind eindeutig: Produkt-Lebenszyklen verkürzen sich, Kunden nehmen kleinere Produktmengen ab und gleichzeitig steigt die Variantenvielfalt, das heißt, es müssen kleinere Produktionsmengen, sogenannte Losgrößen, produziert werden und somit entstehen deutlich mehr Produktwechsel – mit den entsprechenden Rüstzeiten. Für Adnan Büyüksahin war von vornherein klar: “Die Lösung für mehr Wirtschaftlichkeit ist nicht, seltener zu rüsten, sondern schneller und effizienter.” Kürzere Rüstprozesse machen kleine Losgrößen wirtschaftlich und senken Bestände und Durchlaufzeiten.
Adnan Büyüksahin betrieb einen großen Aufwand für sein Bachelor-Projekt. Er filmte den Rüstvorgang, zerlegte diesen und analysierte die einzelnen Prozessschritte, 75 an der Zahl. Dann untersuchte er, wie man die Schritte optimieren könnte, setzte die Ideen um und filmte den Zyklus erneut, mit den umgesetzten Verbesserungen. So konnte er die Auswirkung beurteilen. Verkürzte sich der Rüstvorgang wirklich signifikant?
Büyüksahin experimentierte und justierte an vielen kleinen Stellen. Er beschleunigte beispielsweise die regelmäßige Erneuerung des Oberflächenschutzes an der Maschine. Er ersetzte Werkzeuge beim Fixieren der Rohre durch leicht zu bedienende Klemmhebel. Dazu montierte er Skalen und Positionsanzeiger, wo Mitarbeiter die sogenannte Signierhöhe für die Rohre bisher immer durch “Try and Error” einstellen mussten. Auch mit dem Suchen des notwendigen Werkzeugs machte er Schluss. Eindeutige und übersichtliche Positionen von Werkzeugen eliminierten zuvor häufig entstehende Suchzeiten. Insgesamt neun sinnvolle Verbesserungen konnte Büyüksahin identifizieren.
Interessantes Einsparpotenzial
Das Ergebnis war verblüffend: Die Rüstzeit beim zweiten, optimierten Durchlauf verringerte sich um über eine Stunde. Klar ist: Bei jährlich 650 Rüstvorgängen würde das für thyssenkrupp Bilstein ein hochinteressantes Einsparpotenzial bedeuten. Die Nutzung der zuvor “verlorenen” Zeit bedeutet nämlich mehr Produktionszeit und mehr Produktionsmenge.
Michael Pelka, Senior Manager Production System bei thyssenkrupp Bilstein, hatte das Bachelor-Projekt begleitet und zeigte sich am Ende beeindruckt von den Ausarbeitungen des Studenten. Gemeinsam mit Produktionsleiter Damian Granek hob er unter anderem die große Sozialkompetenz des jungen Mannes im Umgang mit der Belegschaft hervor. Schließlich nützen die besten Verbesserungsvorschläge nichts, wenn die Mitarbeiter nicht mitziehen und bei der Umsetzung mitwirken. Wäre zurzeit eine geeignete Stelle frei, so Pelka, würde er Adnan Büyüksahin sofort einstellen. Was nicht ist, könne aber ja noch werden.
Prof. Dr.-Ing. Klaus-Michael Mende betreute die Arbeit und das Kolloquium von Seiten der Fachhochschule. Wieder einmal ist dem Hochschullehrer über das Netzwerk des Märkischen Arbeitgeberverbandes die Transferleistung in die Unternehmenspraxis gelungen. Der Experte für Produktionsprozesse unterstützt den MAV und seine Mitglieder, darunter thyssenkrupp Bilstein, im Themenbereich Arbeitswirtschaft und Produktionsoptimierung.

