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Matthias Kampschulte: Vertrauen statt Lamento

Matthias Kampschulte, Geschäftsführer der Gerbracht GmbH, am – hier bereits außer Betrieb genommenen – Schmelzofen.

Die Gerbracht GmbH in Schwelm ist ein Familienunternehmen im besten Sinne. Geschäftsführer Matthias Kampschulte hat den Betrieb vor Jahrzehnten von seinem Onkel übernommen. Er setzt auf Qualität seiner Produkte, auf ein familiäres Betriebsklima und auf ein Miteinander mit Kunden und der kommunalen Verwaltung. Allerdings bedauert er auch: „In Deutschland ist viel Vertrauen kaputt gegangen.“

„Wenn man mit offenen Karten spielt, kommt man zu vernünftigen Lösungen.“ Das ist ein Satz, der typisch ist für Matthias Kampschulte. Er setzt auf Verständigung. Dem Geschäftsführer ein böses Wort zu entlocken, ist schwer. Selbst über die viel gescholtene Kommunalverwaltung sagt er: „Ich habe mit den Mitarbeitern gute Erfahrungen gemacht.“ 

„Miteinander reden, nicht übereinander“, das sei sein Weg. Überhaupt: Reden ist für ihn besser, als immer nur zu schreiben: „Heute verfassen die Leute lieber fünf E-Mails anstatt einmal anzurufen. Sie haben Angst vor mündlichen Absprachen, wollen keine Verantwortung tragen.“ Da spürt man es, das verloren gegangene Vertrauen.

Kollegiales Betriebsklima

Kampschultes Welt ist das nicht. „Ich habe meinen Mitarbeitern gesagt: Wenn ich anfange, ständig Papier zu beschriften, ist das der Anfang vom Ende“. Er glaubt an die Verlässlichkeit des gesprochenen Wortes, und er vertraut seinen Leuten. „Die meisten sind seit mehr als 20 Jahren im Betrieb“, so Kampschulte. „In der ganzen Zeit war ich lediglich einmal beim Arbeitsgericht.“ 

Mit den Mitarbeitern spricht er auf Augenhöhe. „Im Betrieb bin ich eingereiht“, sagt er. Nur wenn er vom Nutzen einer Veränderung überzeugt ist, muss der Chef auch mal unbeirrt voran gehen. So war es bei der Einführung der betrieblichen Krankenversicherung und bei der Metallrente. Heute sind seine Mitarbeiter damit sehr zufrieden. 

Genauso wie gegenüber externen Ansprechpartnern wird bei Gerbracht auch intern immer nach vernünftigen Lösungen gesucht. Beispielsweise hat jeder Mitarbeiter die Arbeitszeit, die für seine Lebenssituation am besten passt. Auch gab es für Mitarbeiter schonmal ein Darlehen in der Not. „Bevor sie zum Kredit-Hai gegangen wären…“, erinnert sich Kampschulte. Da half dann lieber der Arbeitgeber. 

Kampschulte ist ein Macher und beschäftigt insgesamt 9 Mitarbeiter. Das sind nicht viele, aber sie produzieren Qualität – echte Handarbeit. Heraus kommen hochwertige, gegossene Schilder. Die Auftragslage ist gut. 

Wenn das Schild schlecht ist, taugt auch die Maschine nichts, an der es hängt – diese Assoziation wollen seine Kunden, nicht selten weltweit agierende Player, unbedingt vermeiden. Daher kaufen sie bei Gebracht ein. „Wir müssen den Großen allerdings immer wieder klar machen, dass wir ein bisschen anders sind“, schmunzelt Kampschulte. Gerbracht ist halt ein Kleinbetrieb ohne Wasserkopf. 

Engagement statt Bürokratie

Kein Wunder, dass sich hier die Begeisterung für bürokratische Auflagen in Grenzen hält. Dass er inzwischen nachzuweisen hat, ob seine Schilder PFAS-frei (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind, überfordert Kampschulte als Kleinunternehmer manchmal. Unsinnig findet er den Zwang zur Gefährdungsbeurteilung für schwangere Frauen an Arbeitsplätzen, die noch nie einen weiblichen Mitarbeiter gesehen haben. Papierkram ist für ihn ein Gräuel. Wenn Produktion und Versand beendet sind, verbringt er noch Stunden mit Dokumentationen, die rein gar nichts zur Wertschöpfung beitragen.

Einfach mal weniger Gesetze und Regelungen verabschieden, das wünscht sich Kampschulte von der Politik in Berlin und Düsseldorf. Daneben schaut er auch aufmerksam auf den Strompreis. Der Schmelzofen bei Gerbracht läuft mit Strom, 150.000 Kilowattstunden im Jahr. Für einen Kleinbetrieb ist das viel. Entlastungen beim Strompreis wären entsprechend willkommen. 

Aber Kampschulte ist keiner, der gerne klagt. „Wer weiß, was schlecht läuft, weiß in der Regel auch, wie es besser geht“, sagt er und wünscht sich in der Gesellschaft weniger Lamento, dafür mehr Engagement. „Wir sollten jungen Leuten, die als Start-up etwas wagen, weniger Steine in den Weg legen“, fordert er. „Nur mit Influencern“, da ist sich der Geschäftsführer sicher, „kann man eine Gesellschaft nicht am Laufen halten.“